Lernen ist ein aktiver Prozess – der Lernende selbst tut etwas. Lernen passiert nicht einfach durch Input oder Berieselung von außen. Lernen kann man lernen und es folglich besser oder auch weniger gut beherrschen. Damit das Lernen leichter wird, lohnt es sich, einen genaueren Blick darauf zu werfen.
Viele Menschen haben sich nie bewusst mit dem Prozess des Lernens auseinandergesetzt. In der Schule haben wir nicht gelernt, wie man am besten lernt – und unseren Kindern ergeht es meist ähnlich. Hier kommt das Lerncoaching ins Spiel. Dieses fördert den aktiven Umgang mit dem eigenen Lernen und den eigenen Ressourcen.
Was ist Lerncoaching überhaupt?
Lerncoaching ist wie jedes Coaching ein Beitrag der Hilfe zur Selbsthilfe. Es findet grundsätzlich auf freiwilliger Basis statt. Die aktive Mitarbeit nicht nur des Lerncoaches sondern auch des Schülers oder der Schülerin, ist dafür erforderlich. Lerncoaching hilft dem Lernenden geeigneten Lernstrategien auf der Grundlage einer fundierten und realistische Selbsteinschätzung zu entwickeln.
Im Lerncoaching beschäftigen sich die Lernenden mit dem Prozess des Lernens an sich. Sie erarbeiten eigene Methoden und Herangehensweisen, um sich Inhalten anzunähern und das Lernen aktiv zu gestalten. Am Anfang steht grundsätzlich eine Analyse der persönlichen Ist-Situation, der Hemmnisse und der Potenziale, die der Lernende mitbringt.
Unterschiede Lerncoaching – Nachhilfe
Lerncoaching ist keine Nachhilfe, denn es funktioniert Themenübergreifend. Im Lerncoaching geht es um die Lernprozesse, um das “wie”, nicht so sehr um das “was”. Anders als Nachhilfe, verfolgt das Lerncoaching einen ganzheitlichen Ansatz, der den ganzen Menschen und sein Umfeld mitbetrachtet.
Nachhilfe versucht im Nachhinein den Stoff aufzuholen, der in der Schule nicht gelernt wurde. Lerncoaching richtet sich hingegen auf die Zukunft. Nachhilfe arbeitet dabei mit den gleichen Methoden wie die Schule, während die Lernenden im Coaching Vertrauen in ihre eigenen Lernfähigkeiten erwerben und somit die solide Grundlage für gelingendes Lernen legen.
Nachhilfe hat dann ihre Berechtigung, wenn es um das akute Schließen ganz konkreter Lücken in einzelnen Fächern geht, die z.B. durch Krankheit oder Abwesenheit entstanden sind. Häufig wird Nachhilfe jedoch zum jahrelangen Begleiter der Schülerinnen und Schüler, ohne dass sich die Lernfähigkeiten verbessern.
| Lerncoaching | Nachhilfe |
|---|---|
| Lernstrategien und Methoden stehen im Mittelpunkt | Stoff des jeweiligen Faches steht im Mittelpunkt |
| zukunftsorientiert, damit das Lernen dauerhaft besser klappt | vergangenheitsorientiert, da Inhalte wiederholt und nachgearbeitet werden |
| ganzheitlicher, lernstoffübergreifender Ansatz | Vermittlung konkreter Inhalte |
| individuell abgestimmte Unterstützung | einheitlicher, standardisierter Unterricht |
| Lernen wird leichter und freudvoller | zusätzliche Belastung durch “Schule am Nachmittag” |
| klares Ziel: Vermittlung von Methodenkompetenz und Stärkung der Fähigkeit zum eigenständigen Lernen | keine definierten Ziele, meist langfristige Unterstützung nötig |
Lerncoaching oder Lerntherapie?
Lerncoaching ist auch keine Lerntherapie, wenngleich durch die sehr individuelles Herangehensweise gewisse Parallelen vorhanden sind. Vor Beginn einer Lerntherapie steht in aller Regel eine ausführliche Diagnostik und damit eine definierte Indikation für die Therapie. Diese soll dann helfen, die Defizite, die durch eine Lernschwäche begründet sind, auszugleichen.
Lerncoaching hingegen betrachtet den ganzen Lernenden und hilft ihm / ihr das eigenen Potenzial zu entfalten. Im Rahmen des Lerncoachings entwickeln die Lernenden Kompetenzen, die stressfreies, leichtes Lernen und nachhaltigen Lernerfolg in allen Bereichen ermöglichen.
Beide Ansätze schließen sich jedoch keinesfalls aus. So sehr eine Diagnose für manche Betroffenen eine Entlastung darstellt, so sehr erleben andere bereits die Empfehlung zur Testung als Stigmatisierung. Ein Ansatz, der die Selbstbestimmung und Verantwortung fördert, wie ein Lerncoaching, kann hier also sehr hilfreich sein und einem Verlust von Selbstvertrauen entgegenwirken.
Für wen ist Lerncoaching geeignet?
Hier an dieser Stelle möchte ich zuerst einmal damit anfangen, für wen ein Lerncoaching nicht das Richtige ist: Wer super in der Schule oder im Studium zurechtkommt, sich gut organisieren kann und ohne größeren Stress immer gute bis passable Noten erreicht, der hat hier definitiv keinen Bedarf an Unterstützung, braucht also auch kein Lerncoaching.
Wer die Verantwortung für seine schlechten Noten ausschließlich im Außen sucht, kommt mit einem Lerncoaching vermutlich auch nicht weiter. Keine Frage, in die Notenvergabe fließen viele verschiedene Aspekte ein, auch solche, auf die mal als Schüler oder Schülerin keinen Einfluss nehmen kann. Dennoch gibt es genug Möglichkeiten, aktiv die eigenen Leistungen zu verbessern, und an diesen Stellen setzt das Lerncoaching an.
Ebenfalls nicht geeignet ist ein Lerncoaching für Kinder und Jugendliche, deren Eltern weiterhin die völlige Kontrolle über die Zeiteinteilung und das Lernverhalten ihrer Kinder haben wollen. Denn ein Lerncoaching stärkt die Eigenverantwortung, die Autonomie, das Selbstvertrauen und die Selbststeuerung der Schülerinnen und Schüler.
Im Umkehrschluss ergibt sich daraus, dass ein Lerncoaching geeignet ist für alle Menschen, die leichter lernen wollen und dafür bereit sind, selbst aktiv zu werden. Ein Lerncoaching hilft, die Freude am Lernen wieder zu erwecken und das Vertrauen in die eigene Lernfähigkeiten zu stärken.
Leichter lernen bei Lernblockaden
Viele Eltern, die mich kontaktieren, beschreiben eine Lernblockade bei ihren Kindern, entweder auf einzelne Fächer bezogen oder auf die Schule insgesamt. Wie die Eltern ganz richtig erkannt haben, sind die Kinder nicht grundsätzlich intellektuell überfordert, sondern tun sich zu einem bestimmten Zeitpunkt einfach schwer mit dem Lernen.
Die Gründe für Lernblockaden können vielfältig sein. Oft liest man von so schwerwiegenden Auslösern wie Trennung der Eltern oder Umzug. Dabei können schon viel kleinere Ereignisse zu einer Lernblockade führen, die von den Kindern und Jugendlichen jedoch als traumatisch wahrgenommen wurden.
Häufige Auslöser von Lernblockaden sind vorangegangene negative Prüfungserfahrungen. Bei jeder Lernblockade besteht die Gefahr, dass sie sich verfestigt und so einen Teufelskreis in Gang setzt. Wenn die Kinder jedoch verständnisvolle und wertschätzende Unterstützung erfahren, schaffen es die meisten recht schnell aus einer solchen Blockade heraus.
Leichter lernen bei Motivationsproblemen
Ähnlich wie Lernblockaden treten Motivationsprobleme häufig in Folge schlechter Erfahrungen mit Lehrern, Schule oder Prüfungen auf. Meist ist es nicht die primär fehlenden Motivation, die zum Problem wird, sondern die von außen verursachte De-motivation des Kindes, z.B. durch starken Druck oder (subjektiv) fehlenden Sinn in den Anforderungen.
Äußerer Anreize, die die Motivation steigern sollen, wie Belohnungen oder auch Noten (extrinsische Motivation), haben bei vielen Kindern gegenteilige Effekte und führen durch die Unterdrückung der inneren (intrinsischen) Motivation zu ausgeprägten Motivationsproblemen und Unlust-Gefühlen.
Die Demotivation der Kinder und Jugendlichen tritt hier vor allem durch die fehlende Möglichkeit der Einflussnahme auf. Was hier hilft, ist ein Ausloten des eigenen Handlungsspielraum innerhalb dieses sehr starren und fremdbestimmten Systems “Schule”. Wer selbst etwas in die Hand nehmen und bestimmen kann, tut sich auch leichter, wieder Motivation zu entwickeln.
Leichter lernen bei Konzentrationsschwierigkeiten
Die Hintergründe von Konzentrationsschwierigkeiten sind vielfältig und häufig auch nicht eindeutig zu identifizieren. In aller Regel sind Konzentrationsschwierigkeiten nur Anzeichen für andere Probleme, nicht die eigentliche Ursache. Auch die “Klassenclowns” und “Träumer”, die nie bei der Sache zu sein scheinen, können sich nämlich in anderen Bereichen und bei anderen Themen durchaus konzentrieren.
Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, sich bewusst zu machen, wie lang sich ein Kind überhaupt konzentrieren können sollte. So geht man von einer Aufmerksamkeitsspanne von maximal 20 Minuten am Stück bei Grundschulkindern und 30 Minuten bei Teenagern aus. Viele sogenannte Konzentrationsschwierigkeiten spiegeln also eher die unrealistischen Erwartungen der Erwachsenen wider.
Gleichzeitig ist klar: die Konzentration auf ein spannendes Buch oder ein schönes Spiel fällt leichter als auf langweiligen Unterrichtsstoff. An dieser Stelle lässt sich die Konzentration durch abwechslungsreichere Lernmethoden und Merktechniken durchaus signifikant verbessern.
Leichter lernen bei Hochbegabung
Hochbegabung an sich ist kein Grund für oder gegen ein Lerncoaching, da sie schlicht durch den IQ definiert wird. Mit einem IQ ab 130 gilt ein Mensch als hochbegabt, ab 145 als höchstbegabt, sofern dieser Wert mit einem anerkannten Verfahren ermittelt wurde. Nach dieser Definition sind etwa 2% der Bevölkerung hochbegabt.
Hochbegabung bedeutet nicht, dass ein Mensch alles kann, sondern dass er eine ausgeprägte kognitive Leistungsfähigkeit hat. Viele hochbegabte Kinder sind entsprechend schnell im Begreifen und Erledigen der schulischen Aufgaben. An sich ist das natürlich kein Problem und die Mehrheit der hochbegabten Kinder hat tatsächlich sehr gute Noten und kommt in der Schule gut zurecht.
Manch ein Kind fühlt sich jedoch ausgebremst und langweilt sich in der Schule. Wenn es dann beginnt den Unterricht zu stören und anderer Kinder von Lernen abzuhalten, ist der Stress vorprogrammiert. Hier kann ein Lerncoaching sehr schnell sehr positive Veränderungen bewirken, denn Hochbegabung ist eine Stärke, keine Schwäche. Manchmal braucht es zum Verinnerlichen dieser Sichtweise jedoch eine kleine Kurskorrektur (bei allen Beteiligten).
Leichter lernen bei definierter Lernschwäche
Lernschwäche, Lernschwierigkeiten oder Lernstörung sind Begriffe die oft nur unscharf voneinander abgegrenzt und teilweise sogar synonym verwendet werden. Im eigentlichen Sinn korrekt ist nur der Begriffe Lernschwäche, der Beeinträchtigungen im schulischen Lernen bei normaler Intelligenz bezeichnet.
Wenn der Verdacht auf eine Lernschwäche im Raum steht, wird meist eine ausführliche Diagnostik empfohlen, um dann eine entsprechende Lerntherapie zu beginnen. Egal ob mit oder ohne Diagnose, kann ein Lerncoaching jedoch durchaus eine Alternative sein. Denn die starren Strukturen im schulischen Lernen haben bekanntermaßen einen wichtigen Einfluss bei der Entstehung von Lernschwächen.
Um eine Lernschwäche also abzumildern oder sogar zu überwinden, sind in erster Linie eine vertrauensvolle Beziehung notwendig. Zudem ist eine andere Herangehensweise an den Stoff, als dies bislang in der Schule der Fall war, notwendig. Schließlich ist es so, dass in vielen Fällen zuallererst die Blockade gegen das entsprechende Fach abgebaut werden muss. Das kann je nach Kind auf verschiedene Weisen passieren.
Leichter lernen bei Prüfungsangst
Prüfungsangst ist sehr weit verbreitet, nicht nur in der Schule, obwohl sie hier oft ihren Anfang nimmt. Bis zu einem gewissen Grad sind Nervosität und Aufregung vor Prüfungen ganz normal und sogar förderlich. Problematisch wird es dann, wenn die Prüfungsangst gravierende körperliche oder psychischen Symptome verursacht, zu Blackout in der Prüfung oder Lernblockaden bereits im Vorfeld führt.
An diesem Punkt gibt es zwei Richtungen, in die man ansetzen kann. Es ist hinlänglich bekannt, dass das in Schulen weiterhin übliche Vorgehen mit unangekündigten Leistungnachweisen und Abfragen zu vermehrtem Stress und Ängsten bei den SchülerInnen führt. Deshalb sollte man unbedingt proaktiv auf selbstinitiierte “Bringnoten” drängen.
Andererseits ist es wichtig, die eigene Ängste regulieren und abbauen zu können. Hierfür hilft einerseits eine solide Prüfungsvorbereitung, um der Angst die Grundlage zu nehmen. Andererseits ist es sehr nützlich, nicht nur für Prüfungen sondern für viele Situationen, wenn man Atem- und Entspannnungstechniken erlernt, um sich akut zu beruhigen
Nachhilfe – doch nicht die Patentlösung für alle schulischen Probleme?
Heutzutage bekommt die Mehrheit aller Schüler irgendwann im Verlauf ihrer Schulkarriere Nachhilfe in einem oder mehreren Fächern. In vielen Fällen läuft diese Nachhilfe über viel Jahre, ohne dass sich in der ganzen Zeit grundlegend etwas an der Lernfähigkeit eines Schüler oder einer Schülerin ändert.
Lerncoaching hingegen stärkt die Eigenverantwortung der Kinder und Jugendlichen und hilft ihnen Methodenkompetenz aufzubauen. Ein Lerncoach arbeitet von Anfang an darauf hin, sich selbst überflüssig zu machen. Zusammen mit der Schülerin oder dem Schüler erstellt er einen Individuellen Werkzeugkoffer, der noch weit über das Lerncoaching hinaus von Nutzen ist.
Für viele Situationen, in denen nicht das Aufholen einer definierten Menge Lernstoff das Ziel ist, bietet Lerncoaching weitaus mehr Möglichkeiten als typische Nachhilfe. Vor allem der zukunftsorientierte, individuelle Ansatz bringt viele dauerhafte positive Effekte mit sich, sodass das Lernen leichter wird.





