Mit Müdigkeit beim Lernen haben wir wohl alle schon zu kämpfen gehabt: genau dann, wenn wir uns vorgenommen haben endlich mit dem Lernen anzufangen, wollen die Augen so gar nicht offenbleiben. Immer wenn wir uns mit einem bestimmten Buch hinsetzen, werden wir so unermesslich müde, dass gar nichts vom Gelesenen hängenbleibt. Es ist wie verhext, wir werden müde, sobald wir lernen wollen.
Oder wir lernen schon seit einer Weile. Haben so viel zu tun, dass wir Stunde um Stunde bis spät in der Nacht vor unseren Büchern sitzen, um den Stoff endlich durchzuarbeiten. Auch wenn wir anfangs noch topfit waren, wird sich im Verlauf dann deutliche Müdigkeit beim Lernen einstellen. Beim einen früher, beim anderen später, aber kommen wird sie.
Wer müde ist, ist nicht besonders aufnahmefähig. Deshalb sollte wir möglichst wach und aufmerksam sein, wenn wir lernen wollen. Warum ist das aber dennoch manchmal so schwierig? Wieso erscheint es so, also würden wir vor allem beim Lernen von Müdigkeit befallen werden?
Ursachen für Müdigkeit
Müdigkeit ist ein Signal des Körpers, das uns sagen soll, dass wir Ruhe und Erholung benötigen. Es deutet auf einen Mangel hin, meist ein Mangel an Schlaf, oder auch ein Mangel an Entspannung. Wenn wir zu wenig oder schlecht geschlafen haben, ist Müdigkeit die logische Konsequenz und lässt sich leicht durch eine erholsame Nacht wieder ausgleichen.
Häufig tritt Müdigkeit allerdings auf bei dauerhaft gestörtem Schlaf, z.B. wegen großem Stress oder beständiger Anspannung. Wer nachts wachliegt und grübelt oder sich Sorgen macht, kann in aller Regel nicht gut schlafen. Aber auch lange Bildschirmzeiten, schweres Essen oder Bewegungsmangel können die Schlafqualität beeinträchtigen.
Speziell beim Lernen können sich aber auch mangelnde Motivation und der fehlende Glaube an den eigenen Lernerfolg mit Symptomen von Erschöpfung und Müdigkeit bemerkbar machen. Hier ist die Müdigkeit eine körperliche Vermeidungsstrategie, damit die sichtbare Auswirkung eines Problems, nicht eigentlich die Ursache.
Lernen oder schlafen?
Wie sollst du also nun mit deiner Müdigkeit umgehen? Sollst du lernen oder schlafen, wenn du dich müde und erschöpft fühlst? Ich sag mal so: das kommt ganz darauf an. Hast du wirklich zu wenig Schlaf bekommen, dann ist es das einzige Wahre, dich erst einmal richtig auszuschlafen. Sobald du erholt bist, klappt es mit dem Lernen viel besser und ist weniger anstrengend.
Wenn du ständig unter Strom stehst und dauerhaft schlecht schläfst, wird dir eine weitere Nacht auch nicht viel helfen. Dann ist es an der Zeit, dass du grundlegendere Veränderungen an deinem Lebensstil, deinem Schlafverhalten oder deiner Tagesgestaltung vornimmst. Von ganz allein wird sich das nämlich eher nicht bessern.
Und wenn du merkst, dass du nur beim Lernen immer fürchterlich müde wirst, ansonsten aber topfit und leistungsfähig bist, dann solltest du mal ein ernstes Wörtchen mit deinem inneren Schweinehund reden. Was hält dich ab vom Lernen? Was brauchst du, um motiviert zu sein? Wie kannst du deinen inneren Schweinehund auf deine Seite bringen?
Müdigkeit beim Lernen vorbeugen
Aus dem oben Gesagten folgt es schon: vielen Ursachen von Müdigkeit kannst du durchaus erfolgreich vorbeugen. so dass sie gar nicht erst zum Tragen kommen. Du hast hier eine ganz Menge verschiedener Möglichkeiten, die sich größtenteils auch gut in Kombination umsetzen lassen.
Schlafhygiene
Die wichtigste Voraussetzung, um wach und ausgeruht zu sein, ist ein erholsamer Schlaf in ausreichender Menge. Sieben bis acht Stunden pro Nacht sollten es sein, jede Nacht. Wenn dir das schwer fällt, achte auf geregelte Bettgehzeiten und eine entspannende Abendroutine. Schalte alle Bildschirme mindestens eine Stunde vorher ab, mach noch ein paar Entspannungsübungen oder lies ein wenig in einem Buch. Morgens solltest du das Bett direkt nach dem Aufwachen verlassen. Das Bett ist nur zum Schlafen da.
Tagesrhythmus
Wann wachst du gut auf? Zu welcher Tageszeit, kannst du dich am besten konzentrieren? Wann beginnt bei dir die Bettschwere? Wir Menschen haben nicht alle den gleichen Tagesrhythmus. Achte darauf, wie er bei dir ist und richtig dich so gut wie möglich danach. Zwinge dich möglichst nicht, früher aufzustehen, als dir gut tut. Arbeite nicht länger als du dich konzentrieren kannst. Mit ein wenig Übung wirst du herausfinden, wann du am leistungsfähigsten bist und wann eher Zeit für Ruhephasen ist.
Nach draußen gehen
Gähnen und Abgeschlagenheit signalisieren unter Umständen nicht nur Schlafmangel, sondern womöglich eher einen Sauerstoffmangel. Bemühe dich deshalb, jeden Tag nach draußen an die frische Luft zu kommen. Gehe eine Runde spazieren oder setze dich in den Park. Wichtig ist dass du raus kommst, möglichst tagsüber, so dass du auch noch Sonnenlicht tanken kannst, was vor allem in der dunklen Jahreszeit wichtig ist, um in Schwung zukommen und aktiv zu werden.
Gesunde Ernährung
Schweres, fettreiches Essen kann nicht nur die Schlafqualität beeinträchtigen, es führt auch dazu, dass du dich schlechter konzentrieren kannst. Zwar benötigst du sicherlich keinen Familienvorrat Traubenzucker oder Studentenfutter, um lernen zu können. und es gibt auch keine speziellen Lebensmittel, die besondern schlau machen. Dennoch unterstützt eine ausgewogene, möglichst pflanzenbasierte Ernährung deine Gesundheit und deine allgemeine Leistungsfähigkeit.
Lernatmosphäre
Lernen ist langweilig? Der Stoff interessiert dich wirklich so überhaupt nicht? Wenn du inhaltlich schon keine Begeisterung aufbringen kannst, dann solltest du umso dringender das Drumherum so gestalten, dass du dich wohlfühlst. Schaffe oder suche dir einen Ort zum Lernen, der dir gefällt und dich unterstützt, sei es zuhause oder in einer Bücherei, ein absolut stiller Ort oder einer mit leiser Musik, wo du allein bist oder von anderen Menschen umgeben. Wichtig ist, dass die Atmosphäre für dich stimmig und motivierend ist.
Müdigkeit bei Lernen vermeiden
Nicht nur im Vorhinein, sondern auch während des Lernens kannst du einiges tun, um übermäßige Müdigkeit zu vermeiden. Wobei viele der Tipps Hand in Hand gehen. Alles was insgesamt förderlich auf dein Wohlergehen wirkt, funktioniert natürlich sowohl vor dem Lernen als auch während des Lernens.
Pausen
Lernen ist Arbeit, geistige Arbeit, und die ist anstrengend. Deshalb brauchst du regelmäßige Pausen, um weiter aufnahmefähig und konzentriert zu bleiben. Alle 30 bis 45 Minuten solltest du eine kurze Verschnaufpause machen, dich strecken und einfach mal tief durchatmen. Nach spätestens zwei Stunden Lernzeit ist eine längerer Pause dran. Jetzt ist Zeit aufzustehen, eine Kleinigkeit zu essen, dich etwas zu bewegen und abzuschalten, bevor es fokussiert weitergeht.
Bewegung
Anders als bei körperlicher Arbeit ermüden deine Muskeln vom Lernen natürlich nicht. Ganz im Gegenteil ist es gut möglich, dass du sogar eher verspannst und zunehmenden Bewegungsdrang verspürst. Deshalb solltest du zumindest einen Teil der Lernpausen nutzen, um dich zu bewegen. Die Art der Bewegung hängt dabei von deinen Interessen und Vorlieben ab: geh spazieren, mach eine Yoga- oder Pilateseinheit, geh joggen oder mach Gerätetraining. Hauptsache du bewegst dich überhaupt.
Powernapping
Was vor allem mittags deine Pause besonders erholsam machen kann, ist eine kurzer Mittagsschlaf, ein wirklich kurzer Schlaf allerdings nur. Bei sogenannten Powernapping schläft man nicht länger als 20 oder 25 Minuten, steht also wieder auf, bevor man eine Tiefschlafphase erreicht. Viele Menschen fühlen sich nach einem Powernap frisch und voller neuer Energie. Auch trägt er dazu bei, dass sich das Gelernte fester im Gedächtnis verankern kann.
Wasser trinken
Wer sich eine Weile stark konzentriert, der nimmt unter Umständen seine körperlichen Bedürfnisse weniger wahr. Deshalb melden Sie sich dann als Müdigkeit, die sehr effektiv die Konzentration unterbricht. Dabei kann das eigentliche Bedürfnis z.B. auch Durst sein. Dagegen hilft natürlich trinken. Am besten stellst du dir gleich von Anfang an ein Glas Wasser oder Schorle an deinen Lernplatz, dann fällt es dir leichter, ans Trinken zu denken.
Belebende Getränke
Der Schritt liegt nahe, statt Wasser gleich Kaffee, Tee oder Energydrinks zu konsumieren, die nicht nur den Flüssigkeitsbedarf decken, sondern auch aktiv wach halten durch ihren Koffeingehalt. Übermäßiger Koffeingenuss führt jedoch eher zu Nervosität und Reizbarkeit als zu wacher Aufmerksamkeit und ist deshalb nicht empfehlenswert. Wie bei vielen Stoffen macht aber auch hier die Dosis das Gift, so dass gegen mäßige Kaffee- und Teekonsum nichts einzuwenden ist.
Abwechslung
Abwechslung im Lerntag verhindert, dass Langeweile und Müdigkeit überhaupt aufkommen. Abwechslung kann sich dabei sowohl auf die Inhalte, die Methoden oder den Ort beziehen. So kannst du beispielsweise mittags vom heimischen Schreibtisch in die Bücherei umziehen oder dich mit deiner Lerngruppe treffen. Auch gibt es Sinn, nicht einen ganzen Tag an einem Thema zu arbeiten, sondern auch hier eine gewisse Variation hineinzubringen.
Müdigkeit beim Lernen abklären
Wenn gar nichts hilft und du auch nicht nur beim Lernen müde bist, sondern allgemein über längerer Zeit eher schlapp, antriebslos oder erschöpft, dann solltest du die Ursachen ärztlich abklären lassen. Viele Mangelerscheinungen, Stoffwechselerkrankungen oder auch psychischen Beschwerden zeigen sich in dieser Weise. Nach einem Infekt dauert es auch oft noch einige Tage oder sogar Wochen, bis du wieder voll leistungsfähig bist. Hier braucht es einfach Geduld, denn erzwingen lässt sich die Konzentration nicht.
Müdigkeit beim Lernen überwinden
In vielen Fällen lässt sich die lähmenden Müdigkeit beim Lernen relativ leicht durch geringfügige Umstellungen beim Lebensstil und beim Lernverhalten überwinden. Die meisten der genannten Maßnahmen tragen auch über die Prüfungszeit hinaus zu mehr Wohlbefinden und besserer Gesundheit bei und haben dabei nahezu keine Nebenwirkungen. Sie sind es also allemal wert, dass du sie einfach mal ausprobierst.



